CDZR1426Bereits seit 2017 führt der Trägerverein des Schullandheims Mentrup-Hagen in den Sommerferien Sprachcamps für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund durch.
In diesem Jahr war ein derartiges Angebot besonders wichtig, galt es doch, die enormen Lernrückstände, die die coronabedingten Schulschließungen bzw. Beschränkungen bei mindestens 25% der Schulkinder hervorgerufen haben, ein wenig zu verringern.

Deshalb hat sich der Trägerverein als Veranstalter auch entschlossen, den Adressatenkreis auf Kinder aus benachteiligten Familien generell zu erweitern, da diese besonders unter der sich vergrößernden Bildungsungerechtigkeit leiden. Die Auswahl der Schüler*innen erfolgte in enger Kooperation mit den örtlichen Grundschulen und über die Vermittlung der Gemeinde Hagen. Das Angebot galt für Schulkinder der 3. und 4. Grundschulklassen, um trotz der zu erwartenden stark differierenden Lernvoraussetzungen gezielten, bedarfsorientierten Unterricht in Kleingruppen zu realisieren. Diese Schüler*innen stehen vor dem Übergang zu einer weiterführenden Schule, so dass gute Startbedingungen für diesen Wechsel geschaffen werden sollten.

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Coronabedingt war lange Zeit ungewiss, ob es auch im Jahr 2021 überhaupt zu diesen Veranstaltungen kommen würde. Bedingt durch die günstige Entwicklung der pandemischen Situation im Frühsommer entschied sich der Vorstand, abgesichert durch die gelockerten rechtlichen Vorgaben und ein testbasiertes Hygienekonzept diese Förderung für die durch die Coronapandemie besonders benachteiligten Kinder anzubieten.


Dank der wie bereits in den Vorjahren flexiblen und unbürokratischen finanziellen Unterstützung der Stiftung Stahlwerk sowie der erstmals beantragten Fördermittel des Landes für das 2. Camp konnten in kurzer Zeit Dozenten gewonnen, Einkäufe getätigt sowie anfallende Personalkosten für Küche und Haus sichergestellt werden. Die VHS des Landkreises Osnabrück stellte die Dozentinnen für den Sprachunterricht am Vormittag zur Verfügung.


Die Kinder wurden von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr vom Team des Schullandheimes betreut. Besonders attraktiv war die Nachmittagsgestaltung: Wanderungen im Borgberg und Experimente an der Teufelsquelle, den Tieren des Waldes mit einer Waldpädagogin auf der Spur, Kooperations- und Wagnisspiele zur Förderung der personalen und sozialen Kompetenz, Yoga für Kinder und kreative Gestaltung von Bildern und Textilobjekten.


Zwischen den Sprachblöcken und dem Outdoor- und Kreativprogramm bestand immer ausreichend Zeit, die vielfältigen Spielmöglichkeiten des weitläufigen Geländes des Schullandheimes zu nutzen. So kam auch die während der Pandemie stark reduzierte Bewegung nicht zu kurz.


Die stets frisch zubereiteten Mahlzeiten sowie gesunde Snacks und Getränke für zwischendurch verwöhnten die Kinder.


Die Lehrenden und Betreuenden berichteten übereinstimmend, dass den Kindern Konzentration, kontinuierliches, zielgerichtetes Arbeiten an bestimmten ausgewählten sprachlichen Themen recht schwerfiel. Das Niveau war erwartungsgemäß sehr unterschiedlich. Es musste stark individualisierend und differenzierend gearbeitet werden.
Umso wichtiger war das Nachmittagsprogramm zum Ausgleich und zur Entspannung. Aber auch hier war durchaus zu spüren, dass die monatelange Isolierung bei vielen Kinder zu Problemen im sozialen Miteinander führte. Behutsame und kontinuierliche Begleitung und Bearbeitung auftretender Konflikte waren erforderlich.


Eine Neuerung der Sommeraktivitäten im Schullandheim stellte die gleichzeitige Beherbergung eines Sprachkurses für Frauen aus Migrantenfamilien dar. Diese Maßnahme wurde von der Gemeinde Hagen organisiert. Die Frauen kamen zwei Wochen lang am Vormittag ins Schullandheim und erhielten qualifizierten Sprachunterricht von einer Dozentin der VHS. Sie genossen die herrliche Umgebung und die Gastfreundschaft des Hauses. Eine Teilnehmerin war Mutter zweier Jungen, die am Sprachcamp teilnahmen. So wurden hier weitere menschliche Begegnungen möglich, die für alle eine Bereicherung darstellten.


Insgesamt zeigte sich der Vorstand erleichtert, dass nach dem völligen Wegfall aller Klassenfahrten im vergangenen Schuljahr und darüber hinaus das Schullandheim endlich wieder sinnvoll pädagogisch genutzt wurde.